Im HTFU-Podcast mit FC Stinger gab es bereits spannende Einblicke in die Arbeit von Team Security. Dabei wurde deutlich, dass der Kampf gegen Bots und Echtgeldhandel (RMT) längst nicht mehr nur aus einzelnen Bannwellen besteht, sondern ein permanentes Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Entwicklern und professionell organisierten Bot-Netzwerken ist.
Auf dem EVE Fanfest 2026 gingen FC Arcade und FC Stinger noch deutlich tiefer ins Detail. Die Präsentation zeigte nicht nur beeindruckende Zahlen, sondern gewährte auch seltene Einblicke in die Werkzeuge und Methoden, mit denen Fenris Creations (FC) täglich gegen Botter und RMT-Händler vorgeht. Wer den Podcast gehört hat, erhält hier die perfekte Ergänzung mit vielen zusätzlichen Hintergrundinformationen.
Über eine halbe Million gesperrte Accounts
Die wohl beeindruckendste Zahl der gesamten Präsentation kam gleich zu Beginn. Zwischen Januar 2025 und März 2026 sperrte Team Security 551.461 Accounts.
Bevor jetzt allerdings Panik ausbricht: Das bedeutet nicht, dass über eine halbe Million Spieler beim Cheaten erwischt wurden. Tatsächlich wurden rund 473.000 dieser Accounts bereits während ihrer automatisierten Erstellung erkannt und gesperrt.
Viele dieser Konten entstehen über massenhaft generierte Steam-Accounts. EVE Online wird dabei lediglich als kostenloses Spiel der Bibliothek hinzugefügt, damit die Accounts später glaubwürdiger wirken und weiterverkauft werden können. EVE selbst ist dabei eher ein Kollateralschaden als das eigentliche Ziel.
Übrig bleiben rund 78.000 Accounts, die tatsächlich in New Eden aktiv waren und Einfluss auf die Spielwelt hatten. Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit von Team Security.
Bots werden professioneller – FC aber auch
Bereits im HTFU-Podcast machte FC Stinger deutlich, dass modernes Botting nichts mehr mit einfachen Makros vergangener Jahre zu tun hat. Die Fanfest-Präsentation unterstreicht das eindrucksvoll.
Botter automatisieren heute nahezu alle denkbaren Aktivitäten:
- Nullsec-Ratting
- Mining
- Homefront-Operationen
- Courier-Missionen
- Chat- und Handelsaktionen
Dabei verfolgt FC eine klare Linie: Wird ein Spieler beim Botting erwischt, wird nicht nur der verwendete Charakter gesperrt. Sämtliche mit dem Spieler verbundenen Accounts werden dauerhaft geschlossen – selbst dann, wenn der eigentliche Hauptcharakter nie selbst automatisiert gespielt hat.
Damit soll verhindert werden, dass Spieler einfach einen neuen Alt erstellen und ungestört weitermachen können.
Warum Botter Caldari lieben
Ein kleiner Running Gag zog sich durch den gesamten Vortrag. Botter bevorzugen Caldari-Charaktere.
Der Grund dafür ist erstaunlich simpel: Caldari starten besonders nah an Jita und gelangen schneller zum größten Handelszentrum des Spiels. Dort können sie Schiffe, Module und Skills kaufen und ihre Bot-Operation möglichst effizient starten.
Besonders amüsant wurde es, als FC Arcade erzählte, dass Team Security früher auffällig viele glatzköpfige Caldari-Männer gebannt hatte. Damals reagierte FC sogar mit einer Änderung des Charaktereditors. Seitdem werden Frisuren und Kleidung zufällig vergeben, um automatisierte Charaktererstellungen weniger auffällig zu machen.
Der abschließende Rat von FC Arcade sorgte entsprechend für Lacher im Publikum:
"Vertraut niemals einem glatzköpfigen Caldari."
Ein Running Gag, den vermutlich viele Fanfest-Besucher noch eine Weile in Erinnerung behalten werden.
Wenn Bot-Farmen wie Unternehmen organisiert sind
Besonders interessant waren die Einblicke in typische Bot-Corporations. Diese wirken auf den ersten Blick fast wie normale Spielergruppen. Schaut man genauer hin, erkennt man jedoch schnell wiederkehrende Muster.
Viele dieser Corporations besitzen:
- Etwa 20 bis 25 Mitglieder
- 100 Prozent Corporationssteuer
- Automatisch erzeugte Charakternamen
- Identische Ausbildungswege
- Einen CEO, der sämtliche Einnahmen kontrolliert
Die vollständige Steuer sorgt dafür, dass sämtliche Einnahmen automatisch im Corporation-Wallet landen und anschließend gesammelt weiterverteilt werden können.
Stellt Team Security fest, dass sich innerhalb einer etablierten Spieler-Corporation auffällig viele Botter befinden, wird sogar der CEO kontaktiert. Bleibt das Problem bestehen, kann FC auch gegen die Corporation selbst Maßnahmen ergreifen.
Die Community liefert wichtige Hinweise
Auch wenn Team Security täglich riesige Datenmengen auswertet, bleibt die Community ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen.
Fast 200.000 Bot-Meldungen gingen im untersuchten Zeitraum ein. Mehr als 10.000 dauerhaft gesperrte Accounts wurden zuvor mindestens einmal von Spielern gemeldet.
Dabei stellte FC Arcade jedoch klar: Massenmeldungen führen niemals automatisch zu einer Sperre.
Jede einzelne Maßnahme wird von einem Mitarbeiter geprüft und aktiv ausgelöst. Wer also seinen gesamten Fleet dazu aufruft, einen Gegner hundertfach zu melden, produziert vor allem eines: zusätzliche Arbeit für Team Security.
Maltego – Das Werkzeug hinter den Ermittlungen
Im HTFU-Podcast sprach FC Stinger bereits darüber, wie umfangreich die Ermittlungen gegen Bot- und RMT-Netzwerke mittlerweile geworden sind.
Auf dem Fanfest zeigte er erstmals eines der wichtigsten Werkzeuge dabei.
FC verwendet Maltego, eine Software aus dem Bereich der Cybersecurity, die ursprünglich für Netzwerk- und Bedrohungsanalysen entwickelt wurde.
Statt öffentliche Daten auszuwerten, verbindet Team Security damit interne Serverlogs und erstellt riesige Beziehungsdiagramme.
Dadurch lässt sich auf einen Blick erkennen:
- Welche Accounts zusammenarbeiten
- Wo ISK und PLEX bewegt werden
- Wer Bot-Farmen finanziert
- Wohin Gewinne letztlich fließen
- Welche Charaktere bislang unbekannt sind
FC Stinger beschrieb das augenzwinkernd als eine Art Matrix für EVE Online – allerdings deutlich einfacher zu lesen.
Der Fall des "wirklich bösen Typen"
Das wohl spannendste Beispiel des gesamten Vortrags war ein echter Ermittlungsfall.
Über Wochen beobachtete Team Security einen Spieler, der scheinbar PLEX aus zerstörten Wracks sammelte. Das Problem: Eigentlich befanden sich diese PLEX niemals im Frachtraum der zerstörten Schiffe.
Nach intensiven Untersuchungen stellte sich heraus, dass der Spieler einen bislang unbekannten Exploit nutzte. Er verschob PLEX direkt aus seinem PLEX Vault in Wracks zerstörter Schiffe und sammelte sie anschließend mit einem anderen Account wieder ein.
So verschleierte er den eigentlichen Ursprung der Vermögenswerte und erschwerte die Nachverfolgung erheblich. Nachdem FC den Fehler nachvollziehen konnte, wurde die gesamte Transaktionskette rückwirkend analysiert.
Das Ergebnis:
Der Exploit war über sechs Wochen hinweg genutzt worden. Sämtliche beteiligten Accounts wurden dauerhaft gesperrt und sämtliche Vermögenswerte eingezogen.
Ein endloses Katz-und-Maus-Spiel
Wer den HTFU-Podcast gehört hat, dürfte bereits wissen, dass der Kampf gegen Botter niemals abgeschlossen ist.
Jede neue Sicherheitsmaßnahme führt dazu, dass sich Bot-Netzwerke anpassen. Darauf reagiert wiederum Team Security mit neuen Analysewerkzeugen, verbesserten Erkennungsmethoden und zusätzlichen Prüfungen.
Die Präsentation auf dem Fanfest zeigte eindrucksvoll, dass hinter den Kulissen weit mehr passiert, als viele Spieler überhaupt wahrnehmen.
Fly Safe!
-Eshtir

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